ecopop – Flop und Chance!

Für einmal, liebe Leserinnen und Leser, möchte ich diesen Platz für eine politische Meinungsäusserung benutzen. Ausnahmen bestätigen die Regel und aussergewöhnliche Ereignisse verlangen aussergewöhnliche Massnahmen. Genau so argumentieren natürlich die Befürworter der sogenannten «ecopop-Initiative», über die Ende November in der Schweiz abgestimmt wird. Und noch mehr verbindet mich mit den Befürwortern dieser Initiative, doch im Gegensatz zu ihnen versuche ich meine fremdenfeindlichen Reflexe nicht nach aussen zu projizieren und damit die bereits angespannte Atmosphäre mit einem weiteren Giftcocktail am Leben zu erhalten, sondern ich bekämpfe meinen persönlichen Alltagsrassismus in der täglichen Auseinandersetzung mit meinem Bewusstsein. Doch der Reihe nach. Um was geht es mir? Was will ich sagen? Ich möchte auf zwei Ebenen argumentieren. Zum einen auf der realpolitischen, dass nämlich mit dieser zutiefst menschenverachtenden und für die Lösung jeglicher Probleme auf unserem Erdball (ja, die Schweiz gehört dazu) vollkommen unbrauchbaren Initiative an gar keinem Horizont gar keine Schwierigkeiten, ob akute oder kommende, in einen so dringend notwendigen Veränderungsprozess überführt werden können. Die Initiative schrammt mit ihrer unglaubwürdigen Zahlengläubigkeit mindestens so offenkundig am Ziel vorbei wie die nächsten Kometen an der Erde vorbei rasen werden. Doch vielleicht hinkt gerade dieser Vergleich, nicht auf der sprachlich-intellektuellen Ebene, sondern auf der Ebene der Angst. Und damit komme ich auf die zweite Ebene, auf der ich diese Initiative Ernst nehmen möchte. Auf der Ebene der Angst, die in unserem persönlichen, unbewusst bewohnten Schattenreich in so manchen Situationen die Zügel in der Hand führt und unsere Entscheidungen stark beeinflusst. Eigentlich könnten wir ja den ecopop-InitiantInnen dankbar sein, dass sie uns quasi per Schnellzug und ohne Umweg direkt in unser Schattenreich führen, wenn wir nur nicht so träge wären, diesen ganz menschlichen Impulsen und Reflexen, wie sie Ausgrenzung, Verachtung, Be- und Verurteilung darstellen die Nährstoffe zu entziehen. Im Biotop des Schattenreichs, dort wo unsere unbewussten Ängste, Phobien und Verletzlichkeiten zum Tanz bitten, dorthin unserem Bewusstsein Zugang zu verschaffen, das ist meine alltägliche Pflicht und Aufgabe. Nein, ich darf nicht mehr bereit sein, diese Form der «Drecksarbeit», sprich Ausgrenzung und Abwertung, den InitiantInnen dieser Art von Abstimmungsvorlagen zu überlassen. So wie ich es im Umgang mit der Masseneinwanderungsinitiative noch gehandhabt habe. Ich möchte die Verantwortung für meinen persönlichen Umgang mit dieser Art von Reflexen und Impulsen übernehmen, ohne dass ich auf die Hinweise von politisch und demokratisch legitimierten InitiantInnen angewiesen bin. Ich weiss; das ist ein weiter Weg. Und es ist viel einfacher, den wohleingerichteten Protagonisten im Schattenreich zuzustimmen, als sich im Alltag deren kreativen Verführungsversuchen zu entziehen. Und dennoch: ein überlegtes Nein zur ecopop-Initiative ist ein guter Anfang dazu.

Veröffentlicht unter Kolumne
2 Kommentare auf “ecopop – Flop und Chance!
  1. regine sagt:

    Gut geschrieben, hoffe, dass auch dieses Steinchen Wellen schlägt!

  2. So so, fremdenfeindliche Reflexe und Alltagsrassismus? Ja was soll ich mir darunter bei einem Billy Meier vorstellen? Das passt ja so gut zusammen, wie ein Dampfkochtopfdeckel auf eine Bratenpfanne. Ist das Koketterie mit Totentanz in der Schattendisco? Oder bist Du auch schon am Morgen aufgewacht, mit
    Radiowecker und den neusten Informationen über Flüchtlingsströme und hast Dir spontan gedacht: die sollen bleiben wo sie sind! So wie ich. Oder hörst von zehntausenden jungen , alleinstehenden Männern, die nach Europa flüchten und denkst: ‘die will ich hier nicht haben’. So wie ich. Nein ich unternehme nichts gegen diese Leute. Ich beschimpfe sie nicht (auch nicht anonym) und ich schaue sie auch nicht böse an, wenn ich an der Konzentrationsablagerungsstelle für Flüchtlinge, da Richtung Weil drüben vorbeifahre Oder in der langen Erle, einem versprengten Grüppchen begegne beim Sonntagsspaziergang. Wieso drängt sich die reale Welt so in meine kleine Schweiz hinein? Infos kann ich zur Seite legen, diese Menschen sind hier, oder unterwegs. Menschenverachtend ist, wenn ich die Sorge um meine Aussicht, um mein Einkommen, um meinen Transportmittel-Sitzplatz und Weg, meinen Besitz höher gewichte, als das nackte Leben eines Mitmenschen. Wenn ich Inländer höher gewichte als Ausländer. Wenn es für mich Menschen gibt, die weniger Achtung benötigen, als ich mir zugute halte. Was für ein Anspruch! Was für ein Segen, wenn wir ihm genügen würden! Will ich menschlich abstimmen, muss ich also erst den inneren Schweinehund überstimmen, bevor ich mit meiner Nein-Stimme (Eco-Pop, MIV), meine Zustimmung zu einer menschenfreundlich gestimmten Welt einbringen kann. Das Leben ist eben auch ohne Selfies von Geschlechtsteilen kompliziert! Ein Schattendasein-Selfie, in Worte fassen, ein Outcomming der besonderen und ungewohnten Art. Aber wir stehen alle, wirklich Alle! in der Pflicht, in unseren Untergründen zu forschen und zu reflektieren.

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