Gleichmut ist gefragt

RiesenradEin bisschen schreibe ich mir an dieser Stelle auch meinen Ärger von der Seele. Was mich nach wie vor umtreibt, sind die heutigen Umgangsformen und Verhaltensmuster im Zusammenhang mit Kommunikation. Es fällt mir nämlich immer noch schwer anzunehmen, dass ich auf eine persönliche EMail keine Antwort erhalte. Ich rede nicht von einem Newsletter oder einer breitgestreuten Information, sondern von einer EMail an eine Person, mit der ich bereits elektronisch im Kontakt gestanden habe. Also zum Beispiel an eine potentielle Kundin, einen potentiellen Kunden, die/der eine berufliche Anfrage an mich richtet und von mir eine entsprechende Replik erhält. Und das wars dann aber. Ende der Kommunikation. Schluss. Aus. Auf diesen Beziehungsabbruch, und offenbar erlebe ich das so, reagiere ich in etwa gleich verblüfft und ent-täuscht, wie wenn ich an einem Abend mit «wildfremden» Menschen in einem Restaurant am Tisch gesessen habe, mich mit ihnen angeregt unterhalten habe und sie dann ohne ein Grusswort den Tisch verlassen. Auch das habe ich schon erlebt und ich kann mir einfach (noch) keinen Reim darauf machen, was da wirklich passiert. Habe diese Menschen Angst davor, ein Versprechen abzugeben, wenn sie auf «Wiedersehen» sagen?, oder fühlen sie sich etwa verpflichtet, die angefangene Beziehung weiter zu führen, wenn sie die vorübergehende Konversation mit einem «Adieu» beenden. Ich weiss es nicht, und ich verspüre im Moment noch keine Lust dazu, mich dieser sich ändernden Begegnungskultur (sei sie real oder virtuel) anzupassen. Deshalb werde ich mich auch das nächste Mal darüber freuen, wenn (wie gerade jetzt geschehen), sich ein Kunde kurz zurückmeldet. Danke! Mein Jahrgang: 1958!

Veröffentlicht unter Kolumne
Ein Kommentar auf “Gleichmut ist gefragt
  1. Daniel sagt:

    Hoi Billy

    geht mir ähnlich. Fühle mich dadurch abgewertet, wenn mir jemand eine Mail nicht beantwortet. Speziell wenn es geschäftliche Anfragen geht, bezüglich Nachfrage nach genauerer Auskunft im Zusammenhang mit Produkten oder Funktionen. Privat ist es eher so ein sich ungeliebt fühlen, auf sich allein gestellt werden.
    Kontakt und Beziehung ist auf jeden Fall noch nicht das Gleiche.
    Gerade elektronisch basierter Kontakt wird evtl. als noch unverbindlicher empfunden, als ein Gegenüber in einem Restaurant. ‘Man’ hat das Mail, bzw. den anderen Passanten oder Gast ja nicht zu einer persönlichen Begegnung eingeladen.
    Es ist so schnell was dahin gesagt oder darein geschrieben und das Mass an kommunikativer Kraft nicht gerade übervoll?

    Auf ein reales Wiedersehen!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>