Filmkritik: Watermarks – 3 Briefe aus China

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Aus dem Kino, aus dem Sinn? Mitnichten. Vor allem auch deshalb, weil ich die Chance hatte nach der Basler Premiere des neuesten Streifens von Luc Schaedler (Regisseur und Produzent) – «Watermarks – Drei Briefe aus China» – den Macher persönlich zu hören. Eindrücklich und berührend wie der grosse Schweizer über seine monatelange Arbeit im grossen China berichtet. Wie er den meisten Menschen, mit denen er dort zu tun hatte, sein Herz öffnete, wie er, zusammen mit einem guten Freud, der seit 12 Jahren in China lebt und arbeitet, schliesslich das Vertrauen der ProtagonistInnen gewinnen konnte. Und so unspektakulär menschlich ist auch der Film: die im Streifen porträtierten Menschen nehmen schnell in meiner Stube Platz und erzählen aus ihrem Leben. Wir werden dank unaufdringlich und respektvoll eingefangener Momente urteilsfreie Zeugen drei unterschiedlicher Familiengeschichten. Die Biographien sind, Luc Schaedler war offen für Fügungen, klug gewählt. Sie verdichten sich zu einem Abbild der Vergangenheit, zu einem Fenster in die Gegenwart und zu einem Ausblick in die Zukunft. Der Film ist weder reisserisch, noch bedient er irgendwelche Klischees. Der Film ist ein be-greifbares Ergebnis der zwischen Filmemacher und Porträtierten entstandenen Beziehungen. Mich animiert er dazu, über meine Beziehungen zu meinen chinesischen Freundinnen und Freunde nachzudenken, respektive bei meinem nächsten Besuch im Reich der Mitte die Aspekte freundschaftliche Offenheit und persönliche Betroffenheit zu thematisieren. Bislang ist mir das nicht wirklich gelungen, was zum Teil sicher auch an meinen Chinesisch-Kenntnissen liegt. Und was bringt der Film dem Publikum, das noch keine Beziehung zu China hat? Im Zusammenhang mit dieser Frage kommen mir zwei identische Aussagen von Kulturschaffenden in den Sinn, die ebenfalls in der Premiere sassen: «Dieser Film wird es schwer haben beim Publikum!»  Ich habe keine Ahnung und kann dies auch nicht abschätzen. Ich empfehle die innigen und lebendigen Bilder auf jeden Fall all jenen, die sich von Herzen für liebevoll und unprätentiös erzählte Alltagsgeschichten aus China interessieren.

Mehr Infos zum Fim auf der Website

KINOSTART 14.11. in Zürich, Bern, Basel, Luzern, St. Gallen etc.

Veröffentlicht unter Filmkritik
Ein Kommentar auf “Filmkritik: Watermarks – 3 Briefe aus China
  1. Regine sagt:

    Was für eine menschliche Annäherung, dieser Film hilft sicher, dass das unsägliche Bild, das uns immer wieder vorgehalten wird, bröckelt und einer anderen Sichtweise Platz macht! Luc Schädler hat vor der Vorführung auch erzählt, was es brauchte, bis die Menschen in den drei Regionen sich so öffneten – dass er dies alles auf sich genommen hat, dafür bin ich ihm unendlich dankbar!

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