Filmkritik: Fill the Void

FilltheVoid03

Void, das englische Wort für gefühlte Leere, hat eine spirituelle Ausstrahlung, welcher der erste Kinofilm der israelisch-jüdisch-orthodoxen Filmemacherin Rama Burshtein mit «Fill the void» inhaltlich auf die Spur zu kommen versucht. Der Film spielt im jüdisch-orthodoxen Milieu in einer israelischen Grosstadt. Vor dem Hintergrund der in religiösen Kreisen üblichen Vermittlung von HeiratspartnerInnen durch Eltern und sogenannte Kuppler erleidet eine Familie einen Schicksalsschlag. Die erste Tochter und ältere Schwester Esther stirbt bei der Geburt des ersten Kindes. Der verwittwete Schwiegersohn Yochay droht nach Mitteleuropa mit einer ehemaligen Schulkamaradin und zweifachen Mutter, die vor kurzem ihren Mann verloren hatte, verkuppelt zu werden. Das kommt für die Mutter, die soeben ihre Tochter verloren hat, einem zweiten Schicksalsschlag gleich und sie unternimmt alles, um den Schwiegersohn und ihren ersten Enkel in Israel zu behalten. Ihre Idee ist naheliegend. Der verwittwete Schwiegersohn soll doch ihre zweite Tochter Shira, hervorragend und absolut glaubwürdig gespielt von Hadas Yaron, heiraten. Mit dieser Ausgangslage ausstaffiert entwickelt sich vor den ZuschauerInnen ein hochexplosives Gefühlsgemisch, in welchem die conditio humana und die in den Zellen verankerte Tradition die beiden Hauptzutaten darstellen. Faszinierend, wie es der Filmemacherin gelingt, die Allgegenwärtigkeit der Trauer und die ihr innewohnenden einfordernden seelischen Bewegungen quasi in einer von dieser Gesellschaft geprägten und kultivierten Kampfarena gegen die überlieferte Tradition und ihre Unausweichlichkeiten antreten zu lassen. Wie dieser «Kampf» letztlich ausgeht möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Mit «Fill the Void» ist der Filmemacherin ein Werk gelungen, das die Zuschauerinnen und Zuschauer jedoch auf keinen Fall in Leere zurücklässt.

Trailer von «Fill the Void»

http://www.youtube.com/watch?v=7hoxulGKQ7g 

 

Ab Donnerstag, 21.3.
Basel kult.kino atelier
Bern CineMovie
Winterthur Kino Loge
Zürich Kino Arthouse Alba

Getagged mit: , , , , ,
Veröffentlicht unter Filmkritik

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>